
5. November 2008
Kreisgruppe Tuttlingen: Gelebte Integration seit 25 Jahren
Gleich
zwei Jubiläen feierten die Siebenbürger Sachsen am Samstagabend in der
Donauhalle: Zum einen das 25-jährige Bestehen der Kreisgruppe
Tuttlingen mit ihrem Vorsitzenden Martin Brenndörfer und das
zehnjährige Bestehen der Siebenbürgischen Tanzgruppe Tuttlingen. Volker
Kauder, Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion, hatte es sich trotz
eines vollen Terminkalenders nicht nehmen lassen, den Siebenbürger
Sachsen zu gratulieren.
„Heimatvertriebene
haben einen unglaublichen Einsatz für unser Land erbracht“, erklärte
Kauder in seiner Festrede. Er wies darauf hin, dass seine Eltern damals
von Jugoslawien nach Deutschland gekommen sind und es nicht immer
einfach war, sich zu integrieren. „Doch sie haben gewusst, wer sich
isoliert, der gehört nicht dazu und viele der Heimatvertriebenen haben
Verantwortung übernommen, ob im Verein, in der Kommunalpolitik oder
anderswo“, betonte der Bundestagsabgeordnete, den die Banater Schwaben
zum Ehrenmitglied ernannt hatten. 
Alfred
Mrass (links im Bild neben den geehrten Gerlinde Becker, Edith
Schmidts, Hilda Brenndörfer) sprach mit Volker Kauder, MdB (rechts
neben Martin Brenndörfer, Kreisgruppenvorsitzender) am Rande der
Jubiläumsfeier der Kreisgruppe Tuttlingen. Foto: Fröhlin Kauder betonte
weiter, dass die Erhaltung des traditionellen Kulturguts gerade in der
heutigen Zeit ein wichtiger Faktor sei, denn die Gesellschaft lebe von
kulturellen Ereignissen. „Es ist eine alte Weisheit, dass derjenige,
der nicht weiß, wo er herkommt, auch nicht weiß, wo er hin muss“,
erläuterte der Politiker. Ohne Werte und ohne Anbindungen an Werte sei
vieles wertlos. „Maß und Mitte ist bei vielen verloren gegangen, und
anhand der Finanzkrise sehen wir ja, wohin dies geführt hat“, betonte
Kauder, der dem Motor der Kreisgruppe Tuttlingen, Martin Brenndörfer,
seinen besonderen Dank aussprach. Von der älteren Generation würde es
abhängen, ob die Jugend das weiterführt, was sie begonnen habe. „Es ist
besonders wichtig, dass Heimatvertriebene nicht ein Leben in sich,
sondern ein Leben mit uns führen“, erklärte Kauder, der das Wirken der
Siebenbürger Sachsen als schönes Beispiel für bürgerschaftliches
Engagement bezeichnete.
Auch die stellvertretende
Bürgermeisterin Christa Krebs gratulierte im Namen der Gemeinde
Immendingen zum Jubiläum. „Durch die Pflege des Brauchtums und durch
das Weitertragen der Traditionen haben die Siebenbürger Sachsen eine
Brücke zu ihrer alten und ihrer neuen Heimat geschlagen“, erklärte
Krebs, die es sehr schön fand, dass die Kreisgruppe in Immendingen ihr
Jubiläum feierte. Ehrungen führte der Vorsitzende der Landesgruppe
Baden-Württemberg des Verbands der Siebenbürger Sachsen, Alfred Mrass,
durch. Er zeichnete Gerlinde Becker, Tanzleiterin der Siebenbürgischen
Tanzgruppe Tuttlingen, Edith Schmidts, Leiterin des Sozial- und
Frauenreferats und Hilde Brenndörfer, Schriftführerin und
Internetbeauftragte der Kreisgruppe, mit der silbernen Ehrennadel aus.
„Zur
silbernen Hochzeit, wie man in einer Ehe sagen würde, soll ich auch die
Glückwünsche des Bundesvorsitzenden Bernd Fabritius überbringen“, so
Mrass in seiner Ansprache. Er dankte Brenndörfer für die Vielzahl von
Aktivitäten, mit denen die Traditionen der Siebenbürger Sachsen nach
außen getragen werden. Er erinnerte daran, dass die Tanzgruppe im Jahr
2006 am internationalen Folklorefestival in Brasilien teilgenommen
hatte und dabei die sächsische Tracht an der Copacabana präsentierten.
Nach
dem offiziellen Teil boten verschiedene Tanzgruppen ein reichhaltiges
Kulturprogramm und Tanzbegeisterte konnten anschließend zu den Klängen
der „Primtaler“ aus Spaichingen das Tanzbein schwingen.
Christina Fröhlin
(Südkurier vom 27. Oktober 2008)