Wolkendorf
Wolkendorf

Kleine HeimatkundeBeitrag aus der Siebenbürger Zeitung Ausgabe Januar 1978

 

„Das Dorf der Wölfe“

 

Aus der ältesten urkundlichen Geschichte von Wolkendorf

eingesandt von Michael Gagesch, Augsburg

 

Die stattliche Burzenländer Gemeinde Wolkendorf hat ihren Namen nicht etwa von den Wolken am Himmel erhalten, wie man zu glauben geneigt sein könnte, sondern von den Wölfen in den früheren dichten Wäldern des Persaner Höhenzugs (Geisterwald) und der Ausläufer des Zeidner Berges. Der zuerst von der bodenständigen rumänischen Bevölkerung gebrauchte Name „Vulcan“ geht auf die slawische Bezeichnung „Wulk“ = Wolf zurück. So müsste die Ortschaft eigentlich richtig übersetzt „Wolfsdorf“ heißen. Aber die sächsischen Siedler, die sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts hier niederließen, übertrugen den Namen ins Deutsche und wählten dafür irrigerweise die Bezeichnung „Wolkendorf“.

Die Anlage der Gemeinde an der alten Straße, die in den Törzburger Pass führte, und die romanische Saalkirche sind Beweise dafür, dass der Ort schon im 13. Jahrhundert bestand. Jedoch ist die älteste bekannte urkundliche Erwähnung viel jüngeren Datums, und zwar vom 19. November 1377, also gerade 600 Jahre alt. Damals wurde der alte Verband der 13 Burzenländer Gemeinden – darunter an vierter Stelle „villa Volkan“ – mit der Stadt Kronstadt bestätigt, die zusammen den „Kronstädter Distrikt“ bildeten.

Die nächste Nachricht besagte, dass bei dem Türkeneinfall von 1421 ins Burzenland auch die Gemeinde „Wolkan“ so arg verheert wurde, dass ihr zuerst die Steuer für das laufende Jahr und dann sogar für weitere 10 Jahre erlassen wurde, um den Wiederaufbau zu fördern. Bei dem Türkeneinfall verbrannten auch die alten Dokumente der Wolkendorfer – wahrscheinlich auch schriftliche Zeugnisse aus der Zeit von 1377.

Als König Sigismund von Luxemburg (1387-1437) im Jahre 1427 im Burzenland weilte, begab sich eine Abordnung aus Wolkendorf, an der Spitze mit dem Pleban Paulus und dem Hannen Christannus, an den königlichen Hof, der gerade in Rosenau weilte, und erwirkte die Bestätigung, dass die Gemeinde einen „waldigen Berg“ besitze, in dem fremde Viehherden nicht weiden dürften. Wie aus späteren Urkunden hervorgeht, handelt es sich dabei um das Gebirge Ciuma oder die Hohe Koppe (1633 m hoch) nordwestlich von Zărnești.

Soviel berichtet die Urkunde. Die Überlieferung besagt jedoch, dass König Sigismund bei seinem Burzenländer Aufenthalt einen Jagd-ausflug auf die Hohe Koppe machte. Oben angelangt, begehrte der König nach der Anstrengung der Jagd einen guten Trunk und versprach demjenigen, der ihm am nächsten Tage ein 40-Eimer-Fass Wein (etwa 400 Liter) bringen würde, den Berg als Besitz zu verleihen. Der Wolkendorfer Hann, der auch im Jagdgefolge war, eilte in seine Gemeinde und kam am nächsten Morgen mit einer Schar von vierzig Reitern auf dem Berg an. Jeder hatte einen Eimer Wein und Dauben eines zerlegten Fasses mitgebracht. Das Fass wurde auf dem Berg wieder zusammengestellt und der Wein hineingeschüttet. So gelangte die Gemeinde Wolkendorf in den Besitz dieser wertvollen Viehweide. Fast 100 Jahre später bestätigte König Ludwig II. Im Jahr 1519 den Wolkendorfern diesen Besitz.

Aus dem 15. Jahrhundert sind Aufzeichnungen bekannt, laut denen drei Plebane von Wolkendorf an der Wiener Universität immatrikuliert waren (1468, 1489, 1493).

Im Jahre 1501 entschied die Burzenländer Gauversammlung einen Hattertstreit zwischen Wolkendorf und der Nachbargemeinde Tohan wegen einer Waldwiese „Schynderlyng“ oder „Schenketh“ genannt, die von beiden Gemein-den beansprucht wurde. Bei der Urteilsfällung war das Zeugnis mehrerer Rosenauer angeführt vom Richter Antonius Vynrich, ausschlaggebend, und so wurde die Weide den Wolkendorfern zugesprochen. Die Urkunde von 1501 enthält auch die ältesten uns bekannten Wolkendorfer Familiennamen: Vincencius Laurencius S a d l e r, Michael T a f f e p i t, Martinus C z e n t s e l, Johannes G r e f f, Volffgangus H o n, Andreas G r e y s e n g s Jacob, Petrus V y s (Weiss), Lucas U d a l r i c i, Johannes G e n e s c h und Antonius S m i t z (Schmidts).

Die Gemeinde Wolkendorf ließ sich diese wichtige Urkunde in den Jahren 1541, 1560 und 1647 aufs Neue bestätigen.

Ab 1520 sind wir aus den Kronstädter Stadtrechnungen über die Steuerleistungen der Gemeinde unterrichtet. Wolkendorf hatte zwei Steuereinheiten, „Zahlhaus“ genannt, so wie auch Rothbach und Nussbach. Dies waren die drei kleinsten Gemeinden des Kronstädter Distriktes.

Die verschiedenen bekannten Bevölkerungs-zählungen zeigen dies ebenfalls: Im Jahre 1510 war Wolkendorf mit 42 „Wirten“ die kleinste Gemeinde (Rothbach 60, Nussbach 59), hatte aber auch einen Schulmeister. Es ist die älteste urkundliche Erwähnung einer Schule, die damals gewiss schon in der Gemeinde bestand.

Aus dem Jahre 1526 ist uns ein Verzeichnis mit den Namen von 39 „ganzen“ und 12 „halben“ Steuerträgern aus „Wulkan“ bekannt. Im Jahre 1532 hatte Wolkendorf jedoch nur noch 18 „Wirte“ und war so die weitaus kleinste Gemeinde des Burzenlandes (Rothbach 55, Nussbach 33). Aber vier Jahre später werden schon wieder 27 Steuerzahlende von insgesamt 29 Familien angeführt. Im Jahre 1550 schließlich war die Bevölkerungszahl auf 65 „Wirte“ angewachsen, aber Wolkendorf stand damit weiter an der letzten Stelle im Burzenland.

Als im September 1530 der türkische Heerführer Mechmet-Beg mit einem feindlichen Heer ins Burzenland einfiel, lagerte er in der Nähe von Wolkendorf. Dass zwei Jahre später Wolkendorf nur noch halb so viele Steuerträger hatte wie vorher, ist wohl eine Folge dieser Heimsuchung gewesen.



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Aktualisiert am 05.10.2017

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